Erfinde dich neu…
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Ist einfacher gesagt als getan dachte ich, als mir dieser Satz das erste Mal bewusst untergekommen ist. Wie soll ich das denn anstellen? Klar habe ich ziemlich genaue Vorstellungen wie ich gerne sein möchte und was ich gerne nicht mehr sein möchte, wer hat das nicht?! Schließlich donnert jeden Tag eine Unzahl an Vorbildern aus der Werbung und den Medien auf uns ein.
Sie protzen, drängen und wollen uns einprägen, dass wir noch lange nicht gut genug sind und mehr aus uns machen können. Ich habe mir schon immer eine ganze Menge Menschen als Vorbild auserkoren und denke nicht daran mit diesem heimlichen Hobby jemals aufzuhören. Doch die Aufdringlichkeit der Medien nimmt in den letzten Jahren eine unappettitliche Gestalt an, mit der ich mich nicht mehr identifiezieren kann und will. Menschen werden zunehmend als Objekte angepriesen, wobei ihr Potenzial auf das Aussehen minimiert wird.
Als ein junges Ding hatte ich verständlicherweise eine Menge Komplexe. Es waren Überzeugungen und Vorurteile, dass bestimmte Dinge an mir nicht richtig sind. Im Laufe der Zeit überwand ich die Einen aber es kamen immer Neue hinzu. So ist es bis heute geblieben, jedoch hat sich die Qualität meiner Ansprüche an mich selbst wesentlich verbessert und was das Wichtigste ist, ich weiß heute wie ich die erwünschten Veränderungen an mir bewerkstelligen kann und das mit einer Freude die mich hoffentlich nie loslassen wird. Meine heimliche Leidenschaft auch als eine Methode einzusetzen, um mich zu formen war, denke ich, die beste Entscheidung die ich für mich jemals treffen konnte. Es ist für mich die Möglichkeit mich weiter zu entwickeln und um zu erkennen was ich an mir verbessern kann und was bereits so ist, wie ich es als perfekt erachte.
Die Frage: Wie schaffe ich es, so zu werden wie meine Vorbilder? -stand eines Tages im Raum und wollte beantwortet werden.
Das was ich grundsätzlich bisher gelernt habe ist, meine Ansprüche angemessen meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, zu stecken. Dass ich keine blonde Marlene Dietrich werden kann ist verständlich. Schließlich bin ich 184 cm lang und habe kein zartes Gesicht. Jedoch kann ich mir ihre ausdrucksvolle Weiblichkeit aneignen, die ich so lange vermied zu zeigen, weil ich mir nicht zutraute weiblich zu wirken. Das zweite was ich im Laufe meines kurzen Lebens gelernt habe ist Geduld. Oh ja, Geduld haben. Ich glaube ich werde diese Tugend nie so ganz beherrschen aber ich bin milliardenfach geduldiger als noch sieben Jahre zuvor.
Viele Blockaden habe ich inzwischen gelöst und eine Art und Weise für mich entdeckt, wie ich es bewerkstellige meine Persönlichkeit Stück für Stück neu zu erfinden.
Früher fühlte ich mich oft unwohl in männlicher Gesellschaft, dann fragte ich mich wie Sharon Stone im Film „Basic Instinkt“ in solchen Situationen verfahren hat. Ich versetzte mich in Gedanken in ihre Rolle und eigenartigerweise fiel die meiste Hemmung von mit ab. Ich stellte mir dann genau die berühmte Verhörsituation vor, wie die blonde Schönheit locker, sich ihrer Wirkung bewusst und voller Charme und List die Kommissare hinters Licht führte. Ich stellte mir vor wie entspannt ihr Körper war und wie sicher sie sich fühlte ihnen um ein Vielfaches überlegen zu sein. Und es funktionierte hervorragend.
Es macht einen unwahrscheinlichen Spaß mich in die Menschen rein zu denken die Merkmale haben, welche ich ebenfalls gerne besitzen würde.
Nehmen wir als Beispiel, die Warteschlange an der Kasse vom Superdiscounter. Ja ich weiss es ist eine krasse Überleitung vom sexgeladenem Verhör zum Alltag eine Hausfrau und Mutter . So vielfältig ist das Leben eben nun Mal;o)
In der Schlange stehen die unterschiedlichsten Menschen hintereinander aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur. So unterschiedlich sie auch sein mögen, von Status, Bildung, Gesundheitszustand, Einkommen oder Aussehen, sie bleiben doch alle Menschen so wie Perlen, Perlen bleiben egal ob groß, klein, dunkel, hell, krumm oder vollkommen.. Oft stehen dort Frauen die mein Interesse wecken. Dann versuche ich mich in sie hinein zu versetzen und zu ergründen wie es wohl wäre z.B. drei Kinder groß zu ziehen. Ich meine, es ist eine große Leistung und ich bewundere sie über die Maßen. Ich selbst scheitere allzu oft an der Aufgabe meinen Sohn gutes Benehmen zu vermitteln.
Dann gibt es da auch junge wohlhabende Mädchen die am Anfang ihres Lebens stehen. Äußerlich scheinen sie Alles zu haben: einen wohlproportionierten jungen und vitalen Körper, teure Klamotten und sind offensichtlich sehr beliebt. Da ich nie solche Jugend erlebt habe, versuche ich mir vorzustellen, wie es wohl ist beliebt und begehrt zu sein. Wie ist es sich seiner Reize bewusst zu sein und diese gezielt einzusetzen zu wissen. Ich frage mich, wie sich das anfühlt wenn der Körper schön, grazil und voller Energie ist.
Diese Phantasiespiele habe ich bis heute beibehalten, jedoch haben sich die Ansprüche an mich gewandelt. Eines kann ich jedoch mit Sicherheit sagen, dass alle meine Begehren und Wunschvorstellungen nun wahrlich meine Persönlichkeit ausmachen und mein Körper heute das darstellt was ich mir immer gewünscht habe. Also scheint mein heimliches Hobby tatsächlich Früchte zu tragen, auch wenn es ein schleichender Prozess ist. Eigentlich ist es gleich, ob und wie schnell ich die Eigenschaften oder Fähigkeiten erlange, weil das Spiel mir solchen Spaß macht, dass ich es auch ohne Konsequenzen weiterführen würde.
So sind heute die Objekte meines Interesses zum Bespiel bestimmte Frauen und Männer in Büchereien, die bedächtig in den Lektüren ihrer Leidenschaften blättern und tief versunken in ihrer eigenen Gedankenwelt leben. Ich frage mich was sie wohl austüfteln und begreifen, welche neuen Ideen und Möglichkeiten ihr Geist ihnen in diesem Moment eröffnet.
Es ist bis heute aufregend zu erforschen wie die Welt der anderen aussieht und sich vorzustellen wie sie sich anfühlt.
Indem ich begann mir die Attribute solcher Menschen vorzustellen, erlangte ich zusehends das Gefühl der Vollständigkeit und einer Weiterentwicklungsfähigkeit, von der ich zuvor nie zu träumen gewagt hätte.Mein Leben begann zielstrebig zu werden, ich hatte plötzlich was vor.Immer ein kleines Ziel, welches zu erreichen nicht schwer war aber um so lohnenswerter. Etwas was für mich persönlich einen Wert hatte getan zu werden, weil ich dadurch ein besseres Gefühl für mich und die kommenden Ereignisse zu haben glaubte. Je mehr abgeschaute Fähigkeiten und Eigenarten ich mir zueigen machte, desto mehr bemerkte ich, dass ich selbst das Schiff meines Lebens zu steuern vermag. Ich muss niemand mehr fragen, ob er eine Kurskorrektur für mich vornehmen würde. Ich schaue mir einfach an wie die anderen Kapitäne ihre Schiffe steuern und ahmte sie nach. Irgendwann bin ich auch dazu in der Lage, mein Schiff sicher durch die Meere des Lebens zu bringen.
Eines Abends z.B. beschloss ich mir die erstrebenswerten Eigenschaften von Thomas. A. Edison anzueignen. Ich bewunderte an diesem Mann seine Zielstrebigkeit und den ungebrochenen Glauben an sich selbst . Er fasziniert mich in allen Fassetten seiner Persönlichkeit, die ihn ermöglicht haben solch erstaunliche Dinge wie die Glühbirne oder das Telefon zu erfinden. Die Vorstellung, etwas nie zuvor da Gewesenes aus reiner Phantasievorstellung, in dieser realen Welt zu erschaffen, ist berauschend für mich. Vor allem aber imponiert mir sein untrügerischer Glaube an sich selbst. Ich lese Alles über Edison was mir in die Finger kommt, um mich in diesen Menschen hineinzudenken und um die Beweise für die Richtigkeit seiner Selbsteinstellung zu ergründen.
Es ist wahrlich ein Wunder welchen Hindernissen er trotzte, wie viel Vergnügen und Begeisterung er in seinem Leben erfuhr lediglich indem er auf seine innere Überzeugung hörte und die Vorurteile seiner Mitmenschen in den Wind schoss. Es war ihn schlicht gleichgültig was die anderen sagten. Diese Fähigkeit zu besitzen wäre wunderbar, dachte ich mir. Ich war doch selbst so zweifelnd und ängstlich, wenn es um die Zuneigung anderer mir gegenüber ging. Immerzu wolle ich beliebt sein, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob die Zuneigung dieser Menschen mit denen ich zusammen war tatsächlich erstrebenswert für mich war. Anstatt zu lernen mich selbst zu lieben und meinen eigene Wert zu erkennen, lernte ich es mich hervorragend an die gesellschaftlichen Erfordernisse anzupassen. Dass ich mich selbst dabei immer wieder in den Hintergrund drängte sah ich als den Preis für Akzeptanz seitens der anderen. Meine persönlichen Gefühle und Bedürfnisse wurden so jahrelang zur Seite geschoben, nur um dabei sein zu können und nicht einsam zu sein.
Es war eine harte Schule und ich zahlte einen hohen Preis für meine Bestrebungen. Heute ist meine Welt ganz anders gestrickt. Dies ist aber erst seit ich beschlossen habe, mich selbst ganz bewusst neu zu erfinden. Wenn ich mich mag dann mögen mich die anderen. Wenn sie mich nicht mögen, dann ist es halt so, ich mag ja auch nicht jeden. So ist es in der Welt. Es gibt immer zwei Seiten und die sind oftmals völlig anderer Meinung, deshalb muss ich nicht an der persönlichen Richtigkeit, meiner eigenen Empfindungen zweifeln. vor allem brauche ich deshalb nie mehr an meiner selbst zu zweifeln, sondern schauen was ich verbessern kann.
Ich konzentriere mich darauf meine Schwächen in Stärken zu verwandeln, indem ich mich an Denen orientiere die es so machen wie ich es gerne täte. Dann versetze ich mich gedanklich in diese Menschen hinein und frage mich dann: Was würde XY in dieser Situation tun oder denken? Könnte ich auch so reagieren, handeln oder denken?
Als die Trotzphase meines Sohnes begann, stand ich oft völlig desillusioniert und hilflos da und hatte keine Ahnung was ich tun soll. Meistens ließ ich mich von seiner aufgewühlten und genervten Art anstecken und die Situationen eskalierten zusehends. Ala ich begriff, dass es so nicht weiter geht, informierte ich mich wie andere erfahrene Mütter diese Ausbrüche meistern. Dann beschäftigte mich innerlich mehrmals damit und stellte mir vor wie ich kompetent und ruhig meinen Sohn beschwichtige. Es sind schöne Phantasien, denn dort kann ich so agieren wie ich möchte und empfinde auch all den Stolz und Zufriedenheit die ich empfinden möchte. Als dann die heiklen Situationen eintraten, versuchte ich so zu handeln wie die erfahrenen Mütter. Und siehe da, von Mal zu Mal war ich immer mehr Herr der Lage. Es ist ein gutes Gefühl immer besser zu werden und sein Leben immer mehr unter der eigenen Kontrolle zu haben, einfach indem man sich immer weiter neu erfindet…
summa summarum
Sag, wie wär es, alter Schragen,
Wenn du mal die Brille putztest,
Um ein wenig nachzuschlagen,
Wie du deine Zeit benutztest.
Oft wohl hätten dich so gerne
Weiße Arme weich gebettet;
Doch du standest kühl von ferne,
Unbewegt, wie angekettet.
Oft wohl kam´s, daß du die schöne
Zeit vergrimmtest und vergrolltest,
Nur weil diese oder jene
Nicht gewollt, so wie du wolltest.
Demnach hast du dich vergebens
Meistenteils herumgetrieben;
Denn die Summe unsres Lebens
Sind die Stunden, wo wir lieben.
(Wilhelm Busch)
| von: Andreas Voetz |
Themenbereich: Stichworte: |
Motivation, Persönlichkeitsentwicklung Begeisterung, Gesundheit, Lebensqualität, Motivation, Persönlichkeitsentwicklung |
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